09.07.2019

Brauchen wir einen panischen Aufruf, um die Bedrohung einer Antibiotikaresistenz ernst zu nehmen?

Das folgende Zitat stammt von der Klimaaktivistin Greta Thunberg: „Erwachsene sagen immer: ‚Wir schulden den jungen Leuten Hoffnung.’ Aber ich will eure Hoffnung nicht. Ich will nicht, dass ihr hoffnungsvoll seid. Ich will, dass ihr in Panik geratet.“

Ich glaube, dass Greta Thunberg Recht hat. Ein gewisses Maß an Panik ist angemessen, wenn man eine Gefahr beleuchten möchte, die die gesamte Menschheit betrifft. Panik kann notwendig sein, um zu erkennen, worum es geht. Was Antibiotikaresistenz betrifft, kann es bei einer infizierten Wunde oder einer einfachen Operation plötzlich um Leben oder Tod gehen. Die Gefahr, der wir ausgesetzt sind, besteht darin, dass keine Antibiotika mehr wirken, und dann sind wir hundert Jahre zurück in der Zeit, als Menschen an bakteriellen Krankheiten wie Lungenentzündung oder chirurgischen Infektionen starben.

Aber wo ist der Wendepunkt, wenn es um Antibiotikaresistenz geht? Heutzutage sterben in Europa mehr als 30.000 Menschen an Infektionen mit resistenten Bakterien, die nicht behandelt werden können. Schätzungen zufolge werden im Jahr 2050 10 Millionen Menschen an antibiotikaresistenten Bakterien sterben, so die Vereinten Nationen und O'Neill, 2014.

Dieses Problem besteht auch in den skandinavischen Ländern. Im Jahr 2016 wurden in Schweden nach Angaben des Gesundheitsamtes mehr als 15.500 Fälle von Antibiotikaresistenz gemeldet. Bis 2030 wird sich diese Zahl laut Prognose verdoppeln, und bis 2050 wird die Zahl der Fälle voraussichtlich etwas über 70.000 betragen, das heißt mehr als viermal so viel wie heute. Wir müssen diese Entwicklung einfach stoppen. Und wir müssen hier wie auch in anderen Teilen der Welt handeln. Dies gilt für uns alle.

Ein wichtiger Bereich, der auch in meinem Fokus steht, ist die Verwendung von Antibiotika im Gesundheitswesen zur Behandlung von Krankheiten. In Norwegen werden Antibiotika von Ärzten verschrieben, wir geben Richtlinien vor und überwachen das Vorkommen antibiotikaresistenter Bakterien. Das ist gut, aber es werden bessere Diagnosewerkzeuge benötigt, die die Frage beantworten, ob die Infektion durch Viren oder Bakterien verursacht wird, und wenn Bakterien, von welchen, bevor mit der Antibiotikatherapie begonnen wird. Dies dient dazu, eine unnötige Verschreibung von Antibiotika (z. B. bei Virusinfektionen) zu vermeiden und insbesondere sofort die richtigen Antibiotika bereitzustellen und eine unnötige Ausbreitung der Infektion zu vermeiden. Andernfalls besteht das Risiko, dass wir zur Entwicklung immer komplizierterer Infektionen beitragen, die eine "schwerere" Behandlung erfordern und als eine der Hauptursachen für erhöhte Antibiotikaresistenz angesehen werden. Es geht daher darum, sofort und so früh wie möglich richtig zu behandeln.

Meine und die Philosophie von Dynamic Code ist einfach: Erst testen, dann überwachen, rechtzeitig behandeln und auf diese Weise die Gesamtzahl der Infizierten reduzieren. Daher entwickeln wir unsere Tests so, dass sie auch auf eine mögliche Antibiotikaresistenz hinweisen. Ein Beispiel hierfür ist, wenn wir auf die häufige sexuell übertragbare Krankheit Mykoplasmen testen. In Schweden sind 18 Prozent der Mykoplasmen-Infektionen gegen gängige Antibiotika resistent, in Dänemark ganze 40 Prozent und in Norwegen sogar 61 Prozent. Mit unserem einfachen Test, der zu Hause durchgeführt werden kann, kann der Arzt sofort das richtige Antibiotikum auswählen, wenn Grund zur Behandlung der Infektion besteht. Es ist besonders wichtig, Mykoplasmen-Infektionen zu identifizieren, die gegen gängige Antibiotika resistent sind und diese antibiotikaresistenten Bakterienstämme zu behandeln und zu entfernen, bevor noch mehr Menschen angesteckt und infiziert werden.

Dynamischer Code will keine Panik machen. Wir möchten Ihnen als Verbraucher und Patient helfen, die beste Versorgung zu erhalten – zuerst zu testen, um daraufhin die richtige Diagnose und dann die richtige Behandlung bekommen zu können. Auf diese Weise helfen wir uns gegenseitig, unnötige Antibiotika-Verschreibungen zu vermeiden. Dies liegt in der gemeinsamen Verantwortung aller.

Anne Kihlgren, Gründerin und Geschäftsführerin von Dynamic Code