14.01.2020

Das Gesundheitssystem versagt bei sexuell übertragbaren Krankheiten bei der Probenentnahme. Dies ist das Fazit eines abgeschlossenen Pilotprojekts mit besonders gefährdeten Zielgruppen der schwedischen Beratungsstelle RFSL Rådgivningen Skåne. Wir sind daher der Meinung, dass das Gesundheitssystem mehr Wissen in diesem Bereich sowie bessere Instrumente zur Steigerung von Gleichheit und Qualität benötigt.

Mittlerweile werden Tests in Gesundheitsstationen, gynäkologischen Kliniken, Jugendkliniken sowie Kliniken für Haut- und Geschlechtskrankheiten durchgeführt. Geschlechtskrankheiten werden oft nur genital getestet. Eine orale Infizierung wird jedoch immer häufiger, und nur genitale Tests (Vaginale oder Urinprobe) sind unzureichend, unter anderem für besonders gefährdete Gruppen wie Männer, die Sex mit Männern (MSM) haben, und Transgender-Personen. Darüber hinaus werden Infektionsfälle vom Gesundheitssystem nicht erkannt, was möglicherweise ein Grund dafür ist, dass die Zahl der sexuell übertragbaren Krankheiten heutzutage stark zunimmt.

Bei RFSL Counseling Skåne treffen wir häufig die Zielgruppe MSM und Transgender. Wir sehen, wie unvollständige Probenentnahmen im Gesundheitswesen dazu beitragen, Infektionen weiter zu verbreiten und Einzelpersonen zu diskriminieren. Oft berichten Personen, dass ihnen nur angeboten wurde, sich genital testen zu lassen. Einzelpersonen haben auch über unangenehme Fragen oder Befürchtungen darüber gesprochen, wie mit der erhaltenen Information umgegangen wird, wenn man sich entscheidet, sich an mehreren Stellen testen zu lassen.

Um diese Mängel zu beheben und die Testhäufigkeit von MSM- und Transgender-Personen zu erhöhen, hat RFSL Counseling Skåne im vergangenen Jahr zusammen mit dem HealthTech-Unternehmen Dynamic Code ein Pilotprojekt in einer Klinik durchgeführt. 100 Pakete zum Selbsttest mit dreifacher Probenentnahme wurden an die besonders gefährdeten Gruppen verteilt. Der Test wird oral, anal und genital durchgeführt und gibt Antwort darauf, ob die getestete Person an Chlamydien, Gonorrhoe, Mykoplasmen und/oder Trichomoniasis leidet.

Nach der Weiterverfolgung des Projekts ist das Ergebnis beeindruckend. Mehrere Teilnehmer geben an, dass sie den Test selbst durchführen können und auf diese Weise vermeiden, in Arztpraxen und Kliniken mit unangenehmen Fragen konfrontiert zu werden. Auch das Ausmaß der Fehldiagnosen, die auftreten, wenn die Probenahme nur genital durchgeführt wird, wurde festgestellt: Von den 14 positiven Testresultaten in unserem Projekt befanden sich 12 dieser Infektionen an anderen Stellen als im Genitalbereich. Sexuelle Krankheiten wie Gonorrhoe und Chlamydien können an mehreren Stellen auftreten, und es ist ein Grundrecht eines jeden Menschen, sich auf Grundlage seiner persönlichen Sexualpraktik testen zu können. Das Gesundheitssystem empfiehlt im Allgemeinen, auf Symptome zu testen. Da sexuell übertragbare Infektionen aber auch beschwerdefrei verlaufen können, testen sich viele Menschen überhaupt nicht.

Wir werden diesen Test auch nächstes Jahr anbieten können, und wir möchten, dass genügend Tests in verschiedenen Kliniken in Schonen (schwedisch „Skåne“) angeboten werden. Es sollte selbstverständlich sein, dass besonders gefährdete Zielgruppen im ganzen Land die Möglichkeit erhalten, sich sowohl genital, oral wie auch anal auf sexuell übertragbare Infektionen testen zu können. Wir glauben, dass die Verfügbarkeit symptomfreier Tests für sexuell übertragbare Infektionen verbessert werden sollte, insbesondere für Risikogruppen wie Männer, die Sex mit Männern (MSM) haben, und Transgender-Personen.

Der Gesundheitsdienst muss in der Lage sein, eine ausreichend hohe Qualität aufrechtzuerhalten, unabhängig davon, an welche Klinik sich die Person wendet – und unabhängig von ihrer sexuellen Praxis.

Anne Kihlgren,
Gründerin und Geschäftsführerin von Dynamic Code

Niklas Eriksson,
Produktentwickler bei RFSL Rådgivningen Skåne